Geraer C-Jugend krönt eine außergewöhnliche Saison bei der Deutschen Meisterschaft


D. Franke / Fotos: C. Barwinski - 16.06.2026

 

Zwischen Tränen, Jubel und unvergesslichen Momenten: Der RSC Gera erkämpft sich in Remscheid die Bronzemedaille

 

Remscheid. Manchmal erzählt eine Medaille weit mehr als das Ergebnis auf einer Anzeigetafel. Manchmal stehen hinter einem Platz auf dem Treppchen unzählige Trainingsstunden, Rückschläge, gemeinsame Erlebnisse und ein Zusammenhalt, der stärker ist als jede Niederlage.

 

Die Bronzemedaille der C-Jugend des RSC Gera bei der Deutschen Rollhockey-Meisterschaft 2026 gehört genau in diese Kategorie.

 

Zwei Tage voller Emotionen, Nervenkitzel, Jubelschreie, Tränen und großer Momente liegen hinter einer Mannschaft, die an diesem Wochenende eindrucksvoll bewiesen hat, was Teamgeist wirklich bedeutet.

 

Aufbruch ins Abenteuer Deutsche Meisterschaft - Freitag, 13. Juni 2026, 14:30 Uhr

Über Gera hängen dunkle Regenwolken. Der Himmel zeigt sich grau und wenig einladend. Doch auf dem Parkplatz der Tinzer Trainingshalle interessiert das Wetter kaum jemanden. Hier beginnt das größte Abenteuer der Saison.

Torhüterinnen Ida und Johanna, Kapitänin Amina sowie die Feldspieler Hannes, Nele, Oskar, Mia, Willi, Finn und Fabienne versammeln sich gemeinsam mit Trainer Dietrich, Co-Trainer Andre, Teammanagerin Janine und Fotografin Claudia zur Abfahrt nach Remscheid. Die Stimmung schwankt zwischen Vorfreude und Nervosität.

Monatelang hatte die Mannschaft auf diesen Moment hingearbeitet. Zwei Trainingseinheiten pro Woche, zusätzliche Athletikeinheiten, Turniere und Punktspiele hatten die Grundlage geschaffen. Immer wieder hatten die Trainer den Kindern vermittelt, dass die Deutsche Meisterschaft kein Selbstläufer werden würde. Nun war sie endlich da.

Während die Fahrzeuge Richtung Nordrhein-Westfalen rollen, wächst die Spannung mit jedem Kilometer. Als die Mannschaft schließlich ihre Ferienwohnung erreicht, weicht die Anspannung erstmals einem breiten Grinsen. Die Unterkunft ist deutlich größer als erwartet.

„Wow!“, hallt es durch die Räume.

Innerhalb weniger Minuten werden Tischkicker und Dartscheibe entdeckt. Aus den zunächst ruhigen Kindern wird plötzlich eine aufgeweckte Gruppe, die jede Ecke der Unterkunft erkundet. Es wird gekickert, gelacht und gefachsimpelt. Beim gemeinsamen Nudelabend wird noch einmal über Gegner, Taktik und mögliche Szenarien gesprochen. Die Trainer versuchen Ruhe auszustrahlen, doch auch ihnen ist die Vorfreude anzumerken. Als die Kinder später ihre Zimmer beziehen, ist eines klar:

Morgen beginnt die Deutsche Meisterschaft.

 

Fehlstart trotz starker Leistung - Düsseldorf nutzt seine Chancen eiskalt

Am Samstagmorgen startet für den RSC Gera die Gruppenphase. Das Ziel ist klar formuliert: Halbfinale erreichen – und möglichst als Gruppensieger, um dem großen Favoriten IGR Remscheid zunächst aus dem Weg zu gehen. Der erste Gegner heißt TuS Düsseldorf-Nord. Und die Geraer starten hervorragend. Von Beginn an spielen sie mutig nach vorne, setzen Düsseldorf unter Druck und erspielen sich mehrere gute Möglichkeiten. Doch wie so oft im Sport werden vergebene Chancen bestraft. Düsseldorf nutzt seine Möglichkeiten konsequent und geht überraschend mit 2:0 in Führung. Auf den Gesichtern der Geraer macht sich Frust breit. Doch Aufgeben kommt nicht infrage. Nach der Pause übernimmt Hannes Verantwortung. Mit großem Einsatz kämpft er sich immer wieder durch die Düsseldorfer Defensive. Sein erstes Tor bringt Hoffnung zurück. Kurz darauf folgt Treffer Nummer zwei - 2:2.

Die Geraer Bank springt auf. Plötzlich scheint alles wieder möglich. Was folgt, ist ein offener Schlagabtausch. Beide Teams suchen die Entscheidung. Doch diesmal hat Düsseldorf das bessere Ende für sich. Zwei weitere Treffer besiegeln die 2:4-Niederlage.

Nach dem Schlusspfiff sitzen einige Spieler zunächst enttäuscht auf dem Hallenboden. Sie wissen: Jetzt gibt es keinen Spielraum mehr.

 

Pflichtsieg unter Druck - Nele und Hannes ebnen den Weg ins Halbfinale

Das zweite Gruppenspiel gegen den HSV Krefeld entwickelt sich schnell zu einem Endspiel. Eine Niederlage würde das Aus bedeuten. Selbst ein Unentschieden reicht nicht fürs Halbfinale.  Entsprechend konzentriert geht der RSC zu Werke. Aber der Krefelder Keeper wächst im Tor über sich hinaus. Immer wieder pariert er gefährliche Abschlüsse und hält seine Mannschaft im Spiel. Lange bleibt die Partie torlos, dann fasst sich Nele ein Herz. Aus der Distanz zieht sie ab, der Ball rutscht unter der Schiene des Torwart ins Gehäuse - 1:0 für Gera.

Der Jubel ist riesig, nur wenig später erhöht erneut Nele auf 2:0. Fast ein Wunder, ist sie sonst nicht als Goalgetter  bekannt.  Plötzlich ist die Nervosität verschwunden und die Mannschaft spielt befreit auf. Als Hannes 60 Sekunden vor dem Schluss das 3:0 nachlegte war man sich sicher, das Halbfinalticket war gebucht. Besonders erfreulich: Finn und Fabienne sammeln ihre ersten Einsatzminuten bei einer Deutschen Meisterschaft und zeigen sofort großen Einsatz. Allerdings nahm das Spiel jetzt erst richtig Fahrt auf. Die Worte des Trainers, spielt auf Zeit, geht in die Ecken verstand Hannes komplett falsch. Er nahm sich den Ball und schoss ihn einfach 2x in die Ecken des Tores - 5:0. Dass man mit dem Schlusspfiff noch das 5:1 hinnehmen musste, war fast allen egal. Die Erleichterung ist förmlich greifbar.

Halbfinale!

Die Rückfahrt zur Ferienwohnung fühlt sich deutlich entspannter an als noch wenige Stunden zuvor. Am Abend wird gemeinsam Pizza gegessen. Es wird gelacht, gespielt und analysiert. Doch allen ist bewusst: Am nächsten Morgen wartet die größte Herausforderung des Turniers.

 

Der Favorit wankt - Gera fordert Remscheid bis an die Grenzen

IGR Remscheid - Allein der Name sorgt im deutschen Nachwuchsrollhockey für Respekt. In den vergangenen drei Jahren hatte der RSC Gera jedes Duell verloren. Die Rollen sind klar verteilt. Doch von Beginn an zeigt sich: Die Thüringer sind gekommen, um zu kämpfen. Mit Leidenschaft, Disziplin und enormem Einsatz verteidigt die Mannschaft jeden Meter Hallenboden. Im Mittelpunkt steht Ida. Was die Geraer Torhüterin an diesem Vormittag zeigt, ist schlicht herausragend. Immer wieder entschärft sie Großchancen. Mehrfach bringt sie die Remscheider Angreifer zur Verzweiflung. Auch offensiv setzt Gera immer wieder Nadelstiche. Die Überraschung liegt in der Luft, lange hält das 0:0. Remscheid verzweifelt zusehend an der Verteidigung der Geraer.  Erst kurz vor der Halbzeit gelingt dem Favoriten die Führung. Ein bitterer Zeitpunkt.

Nach dem Seitenwechsel nutzt Remscheid seine Qualität konsequent aus und erhöht schnell auf 3:0. Doch selbst jetzt gibt sich Gera nicht auf. Hannes gelingt der Anschlusstreffer zum 1:3. Die Hoffnung lebt kurzzeitig wieder auf.

Am Ende setzt sich der Favorit mit 4:1 durch. Die Enttäuschung ist groß, der Traum vom Finale ist geplatzt.

Doch gleichzeitig überwiegt auch der Stolz.

Die Mannschaft hat dem späteren Finalisten alles abverlangt. Zudem beginnen die Trainer bereits, Kräfte für das bevorstehende Spiel um Platz drei zu schonen, denn eine Medaille ist weiterhin möglich.

 

Ein Spiel für die Ewigkeit -Drama, Tränen und ein Happy End gegen Düsseldorf

Das kleine Finale gegen den TuS Düsseldorf-Nord entwickelt sich zu einem der emotionalsten Spiele, das diese Mannschaft jemals erlebt hat. Von Beginn an wirkt Gera entschlossen, die Niederlage aus der Gruppenphase soll korrigiert werden. Der RSC kontrolliert große Teile der Partie, Chance um Chance wird herausgespielt. Doch entweder fehlt das letzte Quäntchen Glück oder der Düsseldorfer Torwart verhindert die Führung. Auf der anderen Seite ist Ida erneut ein sicherer Rückhalt. Mehrfach hält sie ihre Mannschaft mit spektakulären Paraden im Spiel. Die Zeit läuft herunter, die Spannung steigt. Noch zwei Minuten. Dann der erlösende Moment, Hannes setzt sich durch und trifft zum 1:0. Die Geraer Bank explodiert - Eltern und Fans springen auf.

Die Bronzemedaille scheint greifbar nah. Doch dann folgt der nächste Rückschlag, nur 30 Sekunden später erzielt Düsseldorf den Ausgleich. Unter lautstarken Protesten der Geraer Spieler, die auf eine strittige Situation aufmerksam machen, zählt der Treffer - 1:1. 

Jetzt können wir es eigentlich kurz machen, in der zweiten Halbzeit gaben beide Teams alles. Es ging hin und her, jeder hatte seine Chancen, aber beide Torhüter (in der zweiten Halbzeit saß Johanna bei uns im Tor) gaben alles und retteten ihre Teams. 

Verlängerung - Die Kräfte schwinden

2x3 Minuten, jeder Zweikampf tut weh, jeder Fehler könnte entscheidend sein. Doch in der ersten Halbzeit passiert nichts. Auf in die letzten 3 Minuten. Dann die 50. Sekunde vor Schluss, Düsseldorf trifft - 2:1. Auf den Gesichtern vieler Geraer Kinder zeichnen sich Verzweiflung und Enttäuschung ab, einige kämpfen bereits mit den Tränen. Doch genau in diesem Moment zeigt sich der Charakter dieser Mannschaft. Hannes trommelt seine Mitspieler zusammen. Er motiviert, fordert und glaubt weiterhin an die Wende. Die Trainer rufen die letzten 60 Sekunden gegen Krefeld in den Kopf - Tore sind immer Möglich

Noch 23 Sekunden - Noch eine Chance

Oskar und Hannes erobern den Ball, Hannes fasst sich ein Herz tankt sich durch die drei Düsseldorfer Spieler in der Defensive, er hebt den Kopf, sieht Amina komplett frei vor dem Tor - der Pass kommt - Luft anhalten - Amina schießt, der Ball schlägt zwischen Pfosten und Torwarthandschuh ein.  15 Sekunden vor Schluss - 2:2.

Was danach passiert, lässt sich kaum beschreiben. Spieler, Trainer und Fans reißen die Arme hoch. Die Halle bebt. Jubel, Schreie, Tränen. Ein Moment, den niemand vergessen wird.

Die Entscheidung vom Punkt - Ida wird zur Heldin von Remscheid

Penaltyschießen, mehr Spannung geht nicht.

Hannes übernimmt als erstes die Verantwortung - Tor.

Der Düsseldorfer schütze läuft an, will Ida ausspielen, doch sie macht alles Richtig und hält! 

Oskar bleibt ebenfalls cool - Tor, Gera mit 2 vorn. 

Jonathan von Düsseldorf setzt seinen Penalty kraftvoll mittig ins Tor - 2:1 

Die Spannung wird nahezu unerträglich.

Nele läuft an, rumkurvt die Düsseldorfer Torhüterin, doch der Ball geht vorbei

Auch der nächste Spieler aus Düsseldorf verzieht - weiter 2:1 

Amina versucht es mit dem Ausspielen, doch der Ball bleibt an der Torhüterin hängen

Düsseldorf wieder vom Punkt, doch Ida pariert erneut. 

Willi kann alles klar machen, doch scheitert auch an den Nerven.

Nun der letzte Schützte für Düsseldorf - entweder gehts weiter oder Gera hat Bronze. Die Hoffnung ruht nun auf Ida. Anlauf - Schuß - Die gesamte Halle hält den Atem an - Ida macht die Augen zu und schmeißt sich in den Ball - GEHALTEN. 

Die Tribüne explodiert - Bronze für den RSC Gera!

Binnen Sekunden stürmt die gesamte Mannschaft auf ihre Torhüterin zu. Kinder liegen sich in den Armen, Trainer jubeln, Eltern haben Tränen in den Augen - Die Emotionen brechen sich ihren Weg. Nicht nur wegen einer Medaille. Sondern weil diese Mannschaft sich diesen Moment gemeinsam erkämpft hat.

 

Mehr als nur eine Medaille

Bevor die Heimreise angetreten wurde, blieb noch Zeit für Dankbarkeit. Ein großer Dank gilt dem Ausrichter IGR Remscheid für eine hervorragend organisierte Deutsche Meisterschaft, die den Kindern unvergessliche Erinnerungen beschert hat. Ebenso gebührt allen mitgereisten Eltern großer Respekt. Über das gesamte Wochenende sorgten sie für echte Heimspielatmosphäre und unterstützten die Mannschaft lautstark und fair. Ein großes Dank geht an Max, der sich bereit erklärt hat die Spiele für die daheimgebliebenen zu streamen. 

Auch das Trainer- und Betreuerteam um Dietrich, Andre und Janine leistete einen entscheidenden Beitrag zu diesem Erfolg. Nicht zu vergessen, unsere Claudia, die neben Hornhaut am Kamerafinger auch mit Spülhänden in der Ferienwohnung zu kämpfen hatte. 

 

Doch die eigentlichen Helden stehen auf dem Spielfeld.

Ida war eine überragende Torhüterin und wurde mit ihren Paraden im Penaltyschießen zur Heldin von Remscheid.

Johanna war eine wichtige Stütze des Teams und zeigte besonders gegen Düsseldorf starke Leistungen in entscheidenden Momenten.

Amina führte ihre Mannschaft als Kapitänin vorbildlich an und erzielte mit dem Ausgleich kurz vor Ende der Verlängerung vielleicht das wichtigste Tor des gesamten Wochenendes.

Hannes war Antreiber, Führungsspieler und Torgarant. Immer dann, wenn die Mannschaft ihn brauchte, war er zur Stelle.

Nele überraschte mit ihren wichtigen Treffern gegen Krefeld und gehörte über das gesamte Turnier zu den Leistungsträgerinnen.

Oskar überzeugte als Kämpfer, Vorbereiter und sicherer Penaltyschütze.

Mia war jederzeit bereit, Verantwortung zu übernehmen und war mit ihrem Kampfgeist eine wichtig Stütze für das Team.

Willi brachte als Kleinster großen Einsatz und unterstützte die Mannschaft in jeder Situation.

Finn zeigte bei seinen ersten Deutschen Meisterschaftsminuten großen Mut und wichtige Einsatzbereitschaft.

Fabienne bewies mit ihrem Auftritt, dass auch er ein wichtiger Teil dieses Erfolges ist.

 

Am Ende stand eine Bronzemedaille - Doch eigentlich war es viel mehr. Diese Medaille steht für eine Saison voller harter Arbeit. Für Kinder, die füreinander kämpfen. Für Eltern, die jedes Wochenende unterstützen. Für Trainer, die an ihre Mannschaft glauben. Und für einen Zusammenhalt, der stärker war als jede Niederlage.

 

Die C-Jugend des RSC Gera hat in Remscheid nicht nur Platz drei gewonnen. Sie hat gezeigt, was eine echte Mannschaft ausmacht. Und genau deshalb wird diese Bronzemedaille für alle Beteiligten immer weit mehr sein als nur der dritte Platz bei einer Deutschen Meisterschaft.